
Nadine: Sollten Eurer Meinung nach. Jugendliche schon ab 16 Jahren wählen dürfen?
Abdul: Es ist wichtig, dass Jugendliche schon ab 16 wählen dürfen, weil
viele sich schon früh mit politischen Themen auseinandersetzen. Wenn das
politische Leben sie beeinflusst, sollten sie auch mitentscheiden
dürfen. Sie haben jetzt schon viele schwere Entscheidungen in der Schule
zu treffen. Zwar weiß nicht jeder 16jährige genau über Politik
Bescheid, aber das ist ja auch bei Erwachsenen so.
Amy: Wenn man die Wahlergebnisse sieht, ist das schon frustrierend. Da weiß man, ich könnte da jetzt nicht allein den Unterschied machen. Aber wenn viele Jugendliche wählen dürften, würde das definitiv schon einen Unterschied machen für die Endergebnisse. Es gab zwar Studien, dass Jugendliche manchmal krass rechts oder links wählen, aber davon gibt es auch genug Erwachsene, die das so machen. Wenn Entscheidungen über deinen Kopf getroffen werden oder über dich und du hast keine Möglichkeiten, daran etwas zu ändern, ist das schon sehr frustrierend.
Kenzie: Also ich sehe das wie du, aber ich sehe auch Herausforderungen: Es ist oft so, dass Jugendliche mit 16 noch nicht umfassend politisch informiert sind und viel leichter beeinflussbar sind. Deshalb müsste man das Wahlrecht ab 16 mit einer viel stärkeren politischen Bildung verbinden.
Nadine: Fühlt Ihr euch von der Politik aktuell vertreten?
Kenzie: Ich finde, dass Politiker Jugendliche ernster nehmen sollten und nicht nur vor Wahlen. Es ist wichtig, dass sie mit uns sprechen, damit sie auch unsere Perspektiven verstehen und Entscheidungen auch einfach transparenter für uns erklären können. Es ist auch häufig so, dass Jugendthemen nicht wirklich ernst genommen werden und man sie einfach nur als Zukunftsthemen darstellt und dadurch fühlt man sich als Jugendlicher oft unterdrückt finde ich.
Amy: Es gibt ja das KJP (Kinder- und Jugendparlament, Anm. d. Red.), also ich finde schon, dass es viele Möglichkeiten gibt und dass man sich vertreten fühlen und gehört fühlen kann. Sie waren auch in unserer Schule mit dem KJP. Ich finde es schon cool, dass z.B. bei neuen Spielplätzen das KJP immer mit den Kindern und Jugendlichen und den Politikern zusammenarbeitet, aber es könnte definitiv noch mehr sein. Mich regt es dann auch immer so auf, wenn dann der Bundeskanzler sagt: „Ja, die Jugendlichen von heute können alle nichts mehr, die sollen alle mehr in die Schule gehen, die sollen mehr lernen, die sollen mehr dies machen, mehr das machen.“ Da denke ich mir dann: Geh du mal fünfmal in der Woche von 7 Uhr bis 16 Uhr in die Schule, konzentriere dich von Anfang bis Ende, dann lerne danach noch, dann schreibe noch Klausuren, dann kümmere dich noch um deinen Notendurchschnitt, damit du etwas Gutes machen kannst in deinem Leben…aber klar, die tun alle nichts und sollen dann mal schön zur Bundeswehr gehen.
Kenzie: Stimmt, die Jugendlichen engagieren sich ja auch noch ehrenamtlich und weil sie sich mit so vielen Themen beschäftigen, sind sie auch viel politischer geworden und wollen sich einbringen.
Abdul: Ich kann das nur bestätigen. Ich finde schon, dass die Beteiligung mehr geworden ist und man fühlt sich auch über die Jugendorganisationen der Parteien vertreten, aber es könnte noch mehr sein. Der Austausch mit Schülern sollte über regelmäßige Gespräche stattfinden zum Beispiel zweimal im Monat, Entscheidungen sollten darin nachvollziehbar erklärt werden. Am besten an einem chilligen Ort, also nicht dem Rathaus. In der Schule zum Beispiel oder in einem Jugendzentrum. Wir wollen locker mit den Politikerinnen und Politikern reden. Man redet mit jemanden, der auch nur ein Mensch ist.
Nadine: Was fehlt euch in Offenbach als Jugendliche?
Amy: Also wo früher Kaufhof drin war, das wird ja jetzt so ausgebaut, dass die Stadtbücherei da reinkommt, das finde ich gut. Ansonsten kann man hier ins Kino gehen und das wars. Gut finde ich, dass in Offenbach viele Sportanlagen renoviert werden sollen. Ich wünsche mir noch mehr grün in der Stadt, mehr Möglichkeiten für Jugendliche, sich einfach mal wo hinsetzen und treffen zu können, so etwas fände ich schön.
Kenzie: Ich finde auch, dass man mehr offene Treffpunkte braucht, die einfach kostenlos sind und recht zugänglich. Es ist oft so, dass man sich einfach mal treffen möchte und man gezwungen ist, direkt Geld auszugeben, man kann sich nicht einfach in ein Café setzen und nichts kaufen. Manchmal möchte man einfach an einen warmen Ort. Und auch wünsche ich mir mehr Möglichkeiten, zusammen zu lernen. In der Bücherei gibt es ja Möglichkeiten, aber sie ist ja nur bis 18 Uhr offen und wir haben oft schon bis 17 Uhr Unterricht und draußen haben wir aktuell keine anderen Möglichkeiten zu lernen. Zu Abi-Zeiten ist die Bücherei auch immer sehr überfüllt. Das heißt, man kämpft wirklich wortwörtlich um einen Platz.
Abdul: Wir brauchen wirklich mehr Plätze, wo wir wirklich reden, auch lernen können, ohne Geld ausgeben zu müssen. Weil die Bücherei oft schnell voll ist, muss man dann in Frankfurt in die Bücherei gehen momentan und die ist auch schon übervoll.
Nadine: Welche Themen beschäftigen Euch und andere Jugendliche aktuell am meisten?
Amy: Das ist immer sehr unterschiedlich, wenn man sich mit seinen Freunden austauscht. Viel über Zukunft, nicht nur in Offenbach, sondern generell in der Welt. Z.B. Krieg, Was mache ich mit meinem Leben? Studiere ich? Mache ich eine Ausbildung? Wenn ich eine Ausbildung mache, kann ich dann erreichen, was ich gerne hätte oder muss ich studieren? Sind meine Noten gut genug, um zu studieren? Sowas.
Nadine: Also viele Gedanken zu eurer Zukunft.
Abdul: Ja genau und die Konflikte, die es überall auf der Welt gibt. Denn es betrifft ja auch viele hier, die in Deutschland leben. Viele fühlen sich mit noch mit einem dieser Länder verbunden. Diese Themen sollten in der Schule mehr erläutert werden, aber da ist das fast ein Tabuthema. Es gibt da manchmal so Wochen, wo man darüber reden kann. Aber wenn man darüber redet, hat man Angst, etwas Falsches zu sagen. Deshalb ist es manchmal besser, gar nichts zu sagen und darüber nur mit den Freunden zu reden. Aber da gibt es dann das Problem, dass die nicht so ein großes Wissen haben. Sie haben dann irgendwelche Informationen und man weiß nicht, ob sie richtig sind. Deshalb finde ich es wichtig, dass diese Themen in der Schule angesprochen werden und sie nicht zu Tabuthemen gemacht werden.
Kenzie: Ich finde aber auch, dass Leistungsdruck in der Schule ein Riesenproblem ist. Jetzt wurde das Curriculum wieder geändert und es kommen immer mehr Themen dazu und das kam einfach von einem Jahrgang zum nächsten.
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