Carl Ulrich

Daten zur Person:
Staatspräsident Carl Ulrich

28.1.1853 Geboren in Braunschweig
12.4.1933 Gestorben in Offenbach

Volksschule, Lehre: Schlosser und Dreher

1872-74: Als Handwerksbursche auf der Walz in Deutschland, Schweiz u. Österreich. In Augsburg. verliert er seine Arbeit wegen Kontakten zu Sozialdemokraten. Delegierter zum Parteitag in München.

Juli 1873: Erstmals in Offenbach, Arbeit bei Collet & Engelhardt. Delegierter zum Parteitag in Coburg.

Dez. 1874: In Erfurt wegen "Aufreizung zum Klassenhass" zu 30 Thaler Strafe oder 30 Tagen Haft veruteilt.

Aug. 1875: Redakteur der Neuen Offenbacher Zeitung (später Abendblatt)

Herbst 1885: In die ii. Kammer der Landstände Hessens (Landtag) gewählt

1886: Ulrich eröffnet einen Kolonialwarenladen

Dez.1886: Ulrich wird wegen Majestätsbeleidigung zu 9 Monaten Haft in Zwickau verurteilt, wo auch August Bebel einsitzt.

1890: Ulrich gewinnt erstmals den Reichstags- wahlkreis Offenbach-Dieburg.

1895: Ulrich wird erster sozialdemokratischer Stadtverordnete in Offenbach.

1898: 16 weitere SPD- Stadtverordnete kommen hinzu.

1901: Die SPD unterliegt knapp bei der Stadtverordneten-Wahl.

1902: Ulrich erneut im Hess. Landtag

1904: Mit Ulrich als Spitzenkandidat gewinnt die SPD wieder die Kommunalwahl.

1906: Leonhardt Eißnert wird der erste sozialdemokratische Beigeordnete im Deutschen Reich.

1907: Ulrich erringt erneut den Reichstagswahlkreis.

1908: Den Landtagswahlkreis kann Ulrich nur ganz knapp gewinnen.

1908-1911 Im Landtag spricht Ulrich zur Finanzreform in Hessen, zur Progression der Einkommensteuer, zur Vermögenssteuer, zur Arbeitslosigkeit, zum Gemeindesteuergesetz .

1911: Mit Ulrich und Eißnert sind jetzt zwei Offenbacher Sozialdemokraten im Landtag.

1912: Bei der Reichstagswahl gewinnt Ulrich das Mandat im ersten Wahlgang mit 54,9% der Stimmen.

1913: Ulrich wird schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag.
Die SPD-Mehrheit in der Stv. beschließt die Einführung der obligatorischen Mädchenfort-bildungsschule in Offenbach. Mit Mehrheit lehnt die StvV. eine Huldigungsadresse zum 25jähr. Thronjubiläum des Kaisers ab!
Bei der Stv-Wahl im Herbst gewinnt die SPD 34 von 42 Stadtverordnetensitzen

1916/17 Im Landtag geißelt Ulrich die überhöhten Kartoffelpreise und die mangelhafte Fleischversorgung.

März 1918: Im Landtag wendet sich Ulrich gegen die Annektionspläne der Rechten und plädiert für einen Verhandlungsfrieden

9.Nov.1918: Ulrich ruft in Darmstadt die hessische Republik aus: Den Volksstaat Hessen

15.Nov.1918: Ulrich bildet die neue Landesreg. Erster Beschluß: Einführung des 8-Std-Tages.

April 1919: Die Volkskammer erklärt den 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag.

1928: Mit 75 Jahren tritt Ulrich vom Amt des Staatspräsidenten zurück, bleibt aber MdL bis 1932

Januar 1933: Zu seinem 80.Geburtstag würdigt die Offenbacher Zeitung Ulrich als beispielhafte Verbindung von Würde und Bescheidenheit.

12. April 1933: Ulrich verstirbt im Offenbacher Stadtkrankenhaus. Er wird auf dem Alten Friedhof beigesetzt. Bei der Trauerfeier spricht sein Nachfolger Staatspräsident Dr. Adelung.

Mai 1953: Die Brücke nach Fechenheim erhält den Namen Carl-Ulrich-Brücke.

Juni 1953: Offenbachs erste Neubausiedlung nach dem 2. Weltkrieg wird nach Carl Ulrich benannt.

"Meine Damen und Herren,

das Problem der Arbeitslosigkeit muß von uns erörtert werden. Die Städte beginnen sich damit zu beschäftigen. Mainz hat gestern in dieser Richtung einen Beschluß gefasst. In Offenbach ist am Donnerstag ein entsprechender Beschluß ergangen, der das Weitere in die Wege leitet. Alle Städte, die ein klein bisschen soziales Gefühl haben, werden daran denken müssen, das Problem zu lösen. Und da meine ich, muß auch die Staatsregierung, da muß auch das Reich mithelfen.
Wir, meine Freunde und ich, sind bereit, alles zu tun, um zu verhindern, daß die Masse der Armut verfallt!"

(Carl Ulrich am 27. Februar 1909 im Hessischen Landtag)

Historische Kommission
des SPD-Unterbezirks Offenbach-Stadt
Herrnstr. 14, 63065 Offenbach
V.i.S.d.P. Wolfgang Reuter
Tel: 069/894558

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